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das vaterunser

Aktualisiert: 10. Dez. 2024

Eine Frau in einer traditionellen Kirche partizipert in Anbetung und Gebet.

Fühlst du dich manchmal, wie ich, sprachlos, wenn es an der Zeit ist zu beten? Vielleicht fühlen sich deine Gebete unzureichend an, wie leere Phrasen, die weder wirklich ausdrücken, was in deinem Herzen ist, noch was im Herzen Gottes ist – und vielleicht zögerst du deshalb manchmal zu beten.


Interessanterweise stellen wir beim Lesen der Evangelien fest, dass die Jünger Jesus selten bitten, ihnen bestimmte Dinge beizubringen. Jesus berief sie, um zu predigen, in Autorität zu wandeln, Dämonen auszutreiben und die Kranken zu heilen, aber es gibt keine Aufzeichnung darüber, dass sie fragten, wie sie dies tun sollten – scheinbar verstanden sie was zu tun war durch Beobachten und Nachahmen dessen, was Jesus tat. Doch eine Bitte äußerten sie: „Herr, lehre uns beten“ (Lukas 11,1 SCH2000). Daraufhin lehrte Jesus sie das, was wir heute als das „Vaterunser“ kennen – ein hauptsächlich gemeinschaftliches Gebet im Herzen der Bergpredigt, das wir bis heute beten und auf das wir immer zurückgreifen können.


Jesus sagte: „So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen; (Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen)“ (Matthäus 6,9–13 SCH2000)


Das Hauptgebet, abgesehen von der manchmal zitierten und wahrscheinlich später hinzugefügten Phrase „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen“, kann in zwei Hauptteile unterteilt werden. Die ersten drei Bitten richten den Fokus auf Gott – seine Ehre, sein Reich und seine Absichten – die auf der Erde bekannt gemacht und etabliert werden sollen. Die verbleibenden drei Bitten konzentrieren sich auf unsere Bedürfnisse und die Hilfe, die wir brauchen, um als Bürger seines Reiches zu leben. Dieses Format gibt uns eine Struktur für das Gebet, das Anbetung und Bitte als Grundlage kombiniert, darüberhinaus kann Bekenntnis, Danksagung und Fürbitte geformt werden. Es erinnert uns an die spätere Lehre Jesu in Matthäus:


„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden.“ (Matthäus 6,33 SCH2000)


FOKUS AUF GOTT


Jesus beginnt dieses Gebet, indem er den Fokus auf Gott lenkt und eine tiefgreifende Aussage macht, indem er ihn nicht nur als seinen Vater, sondern als unseren Vater anspricht. Er ist unser Vater im Himmel. In dieser Aussage erkennen wir an, dass der allgegenwärtige Gott, der Schöpfer des Universums, unser Vater ist – die Quelle des Lebens und der Versorgung. Der Allmächtige hat uns zu sich gezogen und in seine Familie aufgenommen. Sein Name muss erkannt und geheiligt werden, denn es gibt niemanden wie ihn. Er ist der einzige Gott, souverän, gerecht, und reich an Liebe, und er soll auf Erden ebenso gefürchtet und erkannt werden wie im Himmel (Psalm 103,18-19; Offenbarung 4,8).


„Denn wenn er (der Mensch) seine Kinder (die Gottes sind), das Werk meiner (Gottes) Hände in seiner Mitte sieht, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten.“ (Jesaja 29,23 SCH2000)


„Dir wurde es gezeigt, damit du erkennst, dass der HERR Gott ist und keiner sonst außer ihm.“ (5. Mose 4,35 SCH2000)


Unser Gott, der Schöpfer des Universums, hat ein Reich, das sich derzeit vollständig im Himmel manifestiert, wo es keine Hindernisse gibt und alles seinem Willen unterworfen ist. Jesus verkündete, dass dieses Reich nahe ist und bereits jetzt in unserem Leben erfahrbar sein kann (Matthäus 3,2; 4,17). Doch wir sehnen uns nach der Fülle seines Reiches. Wenn wir Gott bitten, sein Reich auf die Erde zu bringen, wie es im Himmel ist, bitten wir um die vollständigen Manifestation seines verheißenen Herrschaftsanspruchs, seiner Herrlichkeit, Gerechtigkeit und seines Rechts hier auf Erden, damit die Menschen sich seiner Königsherrschaft und Souveränität unterstellen – eine Transformation, die nur Er herbeiführen kann.


„Aber das Recht ströme wie Wasser, und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach!“ (Amos 5,24 SCH2000)


„So wahr ich lebe, die ganze Erde soll erfüllt werden mit der Herrlichkeit des Herrn.“ (4. Mose 14,21 SCH2000)


Ebenso bitten wir darum, dass Gottes Wille – nicht unser eigener – auf Erden geschehe wie im Himmel. Sein Wille unterscheidet sich von unserem, und seine Wege, sein Reich zu etablieren und zu verwirklichen, unterscheiden sich stark von unseren. Der Herr sagte durch Jesaja: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 55,8–9 SCH2000). Sein Wille erfordert, dass wir unseren Egoismus und Stolz aufgeben, uns selbst loslassen und uns ihm vollständig unterwerfen, und ihm vertrauen, wie er sein Reich heraufführen wird. Jesus lebte dies, als er im Garten vor seiner Kreuzigung dieses Gebet betete (Matthäus 26,42), und Paulus tat dasselbe, als er das Evangelium trotz Verfolgung verkündete (Apostelgeschichte 21,13-14). Und wenn wir uns mit Gottes Willen in Einklang bringen, schreitet sein Reich voran.


FOKUS AUF UNS


Da wir in der Spannung leben, bereits zum Reich des Himmels zu gehören, aber seine Fülle noch nicht komplett erleben, lehrt uns Jesus, die Hilfe des Vaters zu suchen. Unsere erste Bitte drückt unsere Abhängigkeit vom Herrn aus, indem wir den Vater um unser tägliches Brot, sowohl natürlich als auch geistlich, bitten. Diese Bitte und das Bekenntnis des Vertrauens erinnern an die Geschichte der Israeliten in der Wüste (2. Mose 16,4-5); sie fordert uns auf, uns keine Sorgen um Nahrung und Kleidung zu machen (Matthäus 6,25-33), Gier zu widerstehen (Sprüche 30,8-9), aber mit Dankbarkeit zu glauben, dass Gott das Nötige bereitstellen wird. Zugleich bitten wir den Herrn, uns immer mehr in sein Ebenbild zu verwandeln und durch sein Wort, das uns nährt, seinen Willen und seine Wege zu erkennen (Matthäus 4,4)


„Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.“ (Psalm 145,16 SCH2000)


„Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht gekannt hatten, um dich zu erkennen zu geben, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht.“ (5. Mose 8,3 SCH2000)


Auf dem Weg, ihm ähnlicher zu werden, müssen wir zuerst erfahren, was wir anderen geben können. Auch wenn wir einmal gerettet sind, stolpern wir weiterhin und sind auf unserem Weg der Errettung, was uns mehr als nur einmalige Vergebung benötigen lässt. Das Schöne daran ist, dass der Herr gerne vergibt, wenn wir darum bitten. Es liegt in seiner Natur zu vergeben, Barmherzigkeit und Mitgefühl zu zeigen und durch Liebe unsere Übertretungen zu bedecken (Psalm 86,15; 103,8), darum gab er uns seinen Sohn (Johannes 3,16). Indem wir seine Vergebung empfangen, lernen wir, anderen zu vergeben. Denn warum sollte anderen ihre Schuld gehalten werden und mir nicht? Wir vergeben, wie uns vergeben wurde, überlassen die Vergeltung dem Herrn (Römer 12,19) und leben in Frieden, indem wir vermeiden, dass Bitterkeit Wurzeln in unserem Herzen schlägt (Hebräer 12,15)


„Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Epheser 4,32 SCH2000)


Obwohl wir aufgrund unserer menschlichen Natur stolpern mögen, können wir den Herrn um Hilfe anrufen, um nicht in Versuchung und in den Bann der Sünde zu fallen, die oft heimlich in unser Leben schleicht. Durch Seine Unterstützung lernen wir, der Sünde zu widerstehen, indem wir mehr im Geist und nicht im Fleisch leben. Die beständige Verbindung zu Gott durch Gebet stärkt diesen Widerstand. Jesus selbst sagte uns, dass Wachsamkeit und Gebet uns vor Versuchung bewahren können (Markus 14,38; Lukas 22,40). Der Feind ist gekommen, um zu stehlen, zu töten und zu verderben (Johannes 10,10), indem er Täuschung und Lügen einsetzt, um uns irrezuführen (Johannes 8,44; 1. Petrus 5,8). Aber Jesus, der vor uns ging und allen Versuchungen begegnet ist (Hebräer 4,15), betet für unseren Schutz (Johannes 17,15), und wir können uns Ihm in diesem Gebet anschließen und Gott bitten, uns stark zu erhalten.


„Der Herr aber ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ (2. Thessalonicher 3,3 SCH2000)


BIS ZUR FÜLLE


Das Vaterunser ist daher nicht nur ein liturgisches Gebet, wie wir es vielleicht kennen, sondern wenn wir dieses Gebet sprechen, das Jesus seinen Jüngern gelehrt hat, stimmen wir mit dem Herzen des Herrn, seinem Willen, seinen Plänen und Absichten für uns und die Welt überein. Diese Worte sind nicht leer, sondern kommen direkt aus dem Herzen Gottes und können uns Worte und einen Ausgangspunkt geben, während wir beten und darauf warten, dass die Realität „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ voll und ganz hier auf Erden etabliert und anerkannt wird.


Amen.


 

Resourcen:

Bible Project.

Leon Morris, The Gospel according to Matthew, The Pillar New Testament Commentary (Grand Rapids, MI; Leicester, England: W.B. Eerdmans; Inter-Varsity Press, 1992).

R. T. France, The Gospel of Matthew, The New International Commentary on the New Testament (Grand Rapids, MI: Wm. B. Eerdmans Publication Co., 2007).



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